Sie stecken sich hohe Ziele, die rund zehn Personen, die sich im Auftrag des Pilzvereins Dietikon aufmachen, um auf Pilzfang zu gehen. Unter der Leitung des Präsidenten Andreas Wolf will man leckere Waldbewohner finden. Denn das «Fleisch der armen Leute» wurde längst zur Delikatesse. Und auch kostbar. So soll ein Gourmetfanatiker in London einst 40 000 Euro für 850 Gramm Pilz bezahlt haben – einen Riesentrüffel, den ein edles Restaurant auf die Karte schrieb.

Derart abgehoben agieren die Vereinsmitglieder aus Dietikon selbstverständlich nicht. Neben dem Interesse an den Pilzen steht beim Ausflug besonders das Gesellige hoch im Kurs. «Das Fachsimplen und der gemeinsame Ausflug stehen im Vordergrund», so Andreas Wolf. Die Experten wissen auch, dass wegen des heissen und trockenen Sommers wohl nicht mit einer grossen Ausbeute zu rechnen ist. Egal, geht man «pilzeln», gibt es immer wieder Überraschungen.

Das Ziel am Samstag ist das Bachsertal. Die Landschaft im Bezirk Dielsdorf wird vom dortigen Naturschutzverein als «anmutig» beschrieben. Ideal also, um im Wald auch den Boden genauer unter die Lupe zu nehmen. Und so bringt diese Exkursion schon ein erstes Abenteuer mit sich: Wie Schatzsucher strömen die Pilzler aus, um am Weg oder auch im Gehölz nach essbarem Gut zu suchen.

Klingende Namen

Tatsächlich sind die Prognosen richtig – dieses Jahr ist kein ergiebiges für hiesige Pilze. Trotzdem wird man fündig. Wenn auch nicht die Menge begeistert, so doch die klingenden Namen. «Insgesamt haben wir elf verschiedene Sorten gefunden», erzählt Andreas Wolf. Darunter die Krause Glucke, die auch «Fette Henne» genannt wird, Mehl-Räslinge, ein zimtfarbiger Weichporling, ein Ockerbräunlicher Trichterling sowie Totentrompeten – ein vorzüglicher Speisepilz, was für Begeisterung sorgt.

Beim anschliessenden Grillplausch des Vereins werden nur wenige Pilze direkt verspeist, dafür Bratwürste und Cervelats. Angst vor einem Irrtum, also einem giftigen Pilz, besteht nie. Ein Experte steht den Pilzsuchern mit Rat und Tat zur Seite. Und was tun mit den nicht verzerrten Pilzen? «Wir nehmen sie nach Hause für einen Festschmaus», lächelt Andreas Wolf. Aber nicht etwa ein raffiniertes Ragout steht auf dem Speiseplan, sondern eine feine Rösti - mit einer Pilzrahmsauce.

Für Andreas Wolf und den Pilzverein geht es munter weiter. Bereits am 5. September, dem Tag der Reppisch, werden er und die Mitglieder in der Grunschen interessierte Limmattaler mit Pilztoasts versorgen. Auch eine Ausstellung mit essbaren sowie giftigen Pilzen wird präsentiert. Nur wenig später wird am Herbstmärt, am 19. September, die Ausstellung wiederholt, dazu wird Pilzrisotto serviert. Das Pilz-Abenteuer nimmt also seinen Lauf, trotz des Klimas.